Ein Nachklang
mit
Heiner Max Alberti, Alfred Bast und Florian Noack
F.N.
…dann könnte diese Reise eine Inspiration für Dich sein.
Mit diesen Worten illustrierte Heiner Max Alberti seine Idee einer Gruppen-Reise in das kleine französische Dörfchen Conques. Zu dieser Idee gehörte von Beginn an die gemeinsame Leitung der Reise zusammen mit Florian Noack und Alfred Bast.
Nach zwei vorbereitenden Reisen von Heiner Max Alberti und Florian Noack in den Jahren vorher war es im September 2025 soweit: eine Gruppe von elf Menschen traf sich in Conques, um ihre Erfahrungen mit dem Ort, der Landschaft, der Kirche, der Kunst, der Musik und der Stille zu teilen, sich selber darin zu erleben und die eigene spirituelle Ausrichtung zu vertiefen.
F.N.
Conques wirkt durch die Harmonie der umgebenden Natur mit den mittelalterlichen Gemäuern. Die Abteikirche liegt harmonisch gebettet im Schoße des steil aufsteigenden Tals mit seinem Dorf. Dadurch ergeben sich ganz besondere Perspektiven: je nach Standort im Dorf blicken wir von unten, auf Augenhöhe und sogar von oben auf die Türme, auf die Kirche. Die mittelalterlichen Mauern aus zwei verschiedenen Sandsteinen sowie aus Schiefer bilden in Form und Farbe eine lebendige Struktur. Der Grundriss ist gestaltet nach den Gesetzen des Goldenen Schnitts.
Skizze von Alfred Bast
In den 1990-er Jahren erhielt der französische Künstler Pierre Soulages den Auftrag, alle 104 Fenster der Kirche neu zu gestalten. Diesen Auftrag erfüllte er in einzigartiger Weise: zusammen mit dem Glasermeister Jean-Dominique Fleury schuf er ein Glas, das Licht-durchlässig, aber nicht durchschaubar ist. Jedes der Blei-gefassten Fenster ist ein Unikat.
Das Anliegen von Pierre Soulages war, dass sich die Gestaltung der Fenster ganz in den Dienst der Architektur und der sich in ihr spiegelnden kosmischen Ordnung stellt. Dies ist ihm aus unserer Sicht in beeindruckender Weise gelungen. Die Fenster ‚reinigen‘ in ihrer schlichten Schönheit, in ihrer Wandlungsfähigkeit je nach Lichteinfall die Kathedrale von innen und außen. Moderne Kunst und mittelalterliche Architektur verschmelzen zu einem Ganzen. Es entsteht in diesem Miteinander der Zeiten eine besondere Form der Gegenwärtigkeit - eine guten Basis für die Meditation.
Foto 1: F.N / Fotos 2 bis 4: D.K.
Die Kirche – fürsorglich betreut von einer kleinen klösterlichen Gemeinschaft der Prämonstratenser – ist von morgens um 7 bis abends um 23 Uhr für die PilgerInnen geöffnet. Conques ist eine wichtige Station des französischen Jakobswegs. Aufgrund des freundschaftlichen Kontaktes von Florian Noack mit Frère Godefroid, Mitglied der Gemeinschaft, war es uns als Gruppe möglich, täglich - begleitet von Improvisationen am Flügel - in der Kirche zu meditieren.
F.N.
Frère Godefroid und Florian Noack spielten gemeinsam zwei abendliche Konzerte in der Kirche: ein barockes Programm mit Gambe und Orgelpositiv mit Werken von Mealli, Bach und Telemann und ein vierhändiges Programm am Flügel mit Werken von Mozart, Ravel und Schubert.
Folgendes Video zeigt Impressionen aus den Proben sowie von Landschaft und Kirche:
F.N.
Alfred Bast schenkte allen Reisenden zu Beginn ein schön gestaltetes Zeichenbuch, um dort Gedanken, Bildern, Impulsen in Wort und Zeichnung einen passenden Ausdruck zu geben. Durch seine Hinweise auf die archetypischen Formen und Strukturen in der Architektur der Abteikirche vertiefte sich der Blick. In täglicher angeleiteter Praxis des Zeichnens dieser Formen (Kreis, Fünfstern, Sechsstern, Goldener Schnitt) in das Zeichenbuch entstand in geschäftig-spielerischer Tätigkeit eine Atmosphäre von hingebungsvoller Leichtigkeit.
F.N.
Sehr wertvoll war auch beim Besuch des Pierre-Soulages-Museums in dem nahen Städtchen Rodez die Hinweise des Künstlers Alfred Bast in Resonanz mit dem Künstler Pierre Soulages. Plötzlich wurde für uns als Betrachtende die Struktur der Bilder durchsichtiger: wie wurde der Hintergrund aufgetragen, mit welchem Werkzeug wurde gearbeitet, welche Dynamik, welcher Rhythmus, welches Tempo war dafür notwendig.
Im Kontrast zu den weißen Fenster der Kirche von Conques beindruckt insbesondere das Spätwerk von Pierre Soulages, das er unter den Begriff ‚Outrenoir‘ (das ‚jenseitige schwarz‘ oder ‚jenseits von schwarz‘) stellte. Es gelingt ihm dabei in einzigartiger Weise, durch reliefartige, dynamische Strukturen das Licht zu modulieren und zu reflektieren. Dabei ‚sprechen‘ die Werke mit den Betrachtenden, indem sich die Wahrnehmung durch die eingenommene Position ständig verändert. Das Schwarz wird so zu einem Träger von Helligkeit. Die Bilder transzendieren den üblichen schwarz-weiß-Gegensatz unseres Denkens – und sind in diesem Sinne eine evolutionäre Manifestation eines neuen Bewusstseins.
Pierre Soulages und Impressionen Outrenoir
Foto 2 bis 4: D.K.
Die Eindrücke auf dieser Reise waren also in vielfältiger Weise tiefgreifend. In Verbindung mit dem Motto der Reise ‚Pilgern einmal anders‘ stellte sich den an der Reise Teilhabenden die Frage nach der ur-eigenen spirituellen Ausrichtung. Der persönliche Austausch in den regelmäßigen Wir-Runden sollte dabei der Einsicht und Integration dienen.
Sommer
grüner Bote
aus lichten Wäldern
an gelben Feldern
wächst eine rote
Blüte von Mohn
allen Kriegen zum Hohn
ganz ohne Panzer und Waffen
will nur Leben erschaffen -
der Sommer
Bettina Alberti, Conques, September 2025
Ein Bilderreigen
D.K.
Unser Dank gilt Frère Godefroid für seine kontinuierliche und herzliche Begleitung unserer Gruppe sowie unserer Gastgeberin Ghislaine Thiollier für ihre Betreuung in ihrem wundervollen Gästehaus ‚La Conquise‘.
(Text und Gestaltung: Heiner Max Alberti;
Fotos und Videos: Florian Noack / F.N. und Dieter Koch / D.K.)
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